Drei-Schluchten-Damm – Was unter der Oberfläche passiert
Der Damm steht seit über 20 Jahren. Offiziell läuft alles nach Plan. Die Schleusen werden gewartet, die Turbinen laufen, die Stromproduktion ist stabil. Das ist die offizielle Linie.
Doch unter der Oberfläche verändert sich etwas. Vier wissenschaftliche Studien aus den letzten Monaten zeigen, was wirklich passiert – und bestätigen, was ich seit Jahren sehe.
Der Fels wird mürbe. Die ständigen Wasserstandsschwankungen nagen an den Klippen. Unter Regen sinkt die Stabilität der Felsblöcke um fast 15 Prozent. 73 Prozent der Blöcke, die normalerweise sicher sind, werden instabil. Die Spitze kippt, die Basis bricht. Genau die Stellen, wo der Wasserspiegel am häufigsten steht – zwischen 145 und 175 Metern Höhe – werden zur Schwachstelle.
Der Fluss frisst sich von unten auf. Das klare Wasser, das der Damm abgibt, hat keine Sedimente mehr. Es frisst sich in das eigene Flussbett – an manchen Stellen bis zu zehn Meter tief. Das ist kein natürlicher Prozess mehr. Das ist ein Teufelskreis.
Das Wasser wird giftiger. Krankenhausabwässer, Industriechemikalien – der Damm hält sie zurück und konzentriert sie. Das Wasser flussabwärts ist nicht nur klarer, es ist auch ärmer an Spurenelementen, die das Ökosystem braucht.
Das Leben im Fluss stirbt. Die Bakterienvielfalt im Sediment ist flussabwärts um 88 Prozent zurückgegangen. Die Selbstreinigungskraft des Flusses schwindet. Die Kreisläufe des Kohlenstoffs, Stickstoffs, Schwefels und Phosphors sind gestört.
Meine Lösung – nicht gegen den Damm, mit ihm
Der Damm lässt sich im laufenden Betrieb nicht einfach reparieren. Einen Teilabschnitt zu schließen, wäre möglich – aber riskant. Die Sedimente würden sich vor dem geschlossenen Abschnitt ablagern, die Strömungen verändern sich, es entstehen Spannungsspitzen. Die Düsen verstopfen, die Struktur wird belastet. Das ist kein Flickwerk, das ist ein neues Problem.
Deshalb setze ich nicht am Beton an. Ich setze am System an.
Das Wasserrückgrat. Statt gegen den Druck zu kämpfen, verteile ich ihn. Röhren im Inneren des Damms, die je nach Wasserstand geflutet werden. Das Wasser drückt von innen, nicht von außen. Der Damm wird flexibel, er atmet mit dem Wasser.
Die Rampe. Drei bis fünf Grad Neigung zur Wasserseite hätten den Damm von Anfang an stabiler gemacht. Eine nachträgliche Rampe lehnt ihn an den Felsen, wie Arme, die sich festhalten. Der Druck verteilt sich, die Last wird geteilt.
Die korallenartigen Steine. Keine starre Mauer, sondern eine lebendige Struktur am Boden des Stausees. Sie brechen den Druck, verteilen die Kräfte, geben nach, ohne zu brechen. Das Wasser kann sich nicht mehr aufstellen, die Energie wird aufgerieben.
Die Sedimentrutsche. Was sich vor dem Damm ablagert, ist kein Abfall. Es wird abgesaugt, getrennt, zurückgeführt – dorthin, wo es fehlt. Die Sedimente stabilisieren den Boden, schützen die Erosion, schließen den Kreislauf.


