Die Qattara-Senke – Ein Jahrhundertprojekt, das keiner lösen will
Die Qattara-Senke liegt im Nordwesten Ägyptens, etwa 80 Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Sie ist fast so groß wie Sachsen – rund 20.000 Quadratkilometer. Und sie liegt tief: im Durchschnitt 60 Meter unter dem Meeresspiegel, an der tiefsten Stelle 133 Meter. Die Grundidee ist seit über hundert Jahren bekannt: Ein Kanal wird gegraben, Meerwasser strömt ein, der Höhenunterschied wird über Turbinen genutzt, um Strom zu erzeugen. Das Wasser verdunstet in der Wüstenhitze, neues Wasser strömt nach. Ein sich selbst erhaltender Kreislauf.
Die ersten Pläne stammen von 1912, von dem deutschen Geographen Albrecht Penck. 1927 arbeitete der englische Geologe John Ball eine detaillierte Version aus. In den 1950er Jahren gab es Überlegungen seitens der CIA. In den 1970ern befasste sich eine internationale Kommission mit dem Projekt. Und 2023 wurde erneut eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Muster wiederholt sich: Man rechnet, man plant, man scheitert.
Das ungelöste Problem – das Salz
Die Physik ist klar. Das Mittelmeer hat einen höheren Salzgehalt als andere Meere. In der Senke herrschen Temperaturen von bis zu 50 Grad im Schatten. Das Wasser verdunstet, das Salz bleibt zurück. Mit der Zeit entsteht ein hypersaliner See – faktisch eine Salzwüste. Eine Salzkruste versiegelt den Boden, die Verdunstung stoppt, der Zufluss versickert, die Turbinen bleiben stehen.
Die offiziellen Studien erwähnen dieses Problem, aber sie lösen es nicht. Gelegentlich wird die Möglichkeit genannt, Salz und Mineralien abzubauen – Lithium, Magnesium, Kalium. Aber das bleibt eine Randnotiz. Ein System, das das Salz kontrolliert aus dem Kreislauf entfernt, bevor es alles verstopft, wird nicht beschrieben.
Eine andere Lösung – die Zickzack-Rutsche
Die Idee ist kein einfacher Kanal, sondern ein System von mehreren Becken, hintereinander geschaltet. Das Wasser fließt in das erste Becken, wird langsamer, Salz setzt sich ab. Das leichtere Wasser fließt in das nächste, tiefer gelegene Becken. Wieder setzt sich Salz ab. Stufe für Stufe. Am Ende erreicht fast reines Wasser die Senke, während das Salz in den vorgelagerten Becken zurückbleibt – wo es geerntet werden kann.
Das ist kein Notbehelf, sondern ein Kreislauf. Das Salz wird nicht zum Problem, sondern zur Ressource.
Weitere Probleme – und mögliche Lösungen
Die Qattara-Senke ist kein gleichmäßiges Becken. Sie besteht aus Dünen, Salzpfannen und instabilen Böden. Ein einströmendes Gewässer sucht sich seinen eigenen Weg – unkontrollierbar über Jahre hinweg.
Eine Möglichkeit: mehrere kleine Zuläufe statt eines großen Kanals, die das Wasser in verschiedene Becken leiten, jedes mit einer eigenen Zickzack-Struktur.
Die Baukosten sind hoch. Ein Kanal durch 80 Kilometer Wüste ist teuer. In den 1970ern kamen Ingenieure auf Summen, die kein Staat allein tragen wollte.
Eine Alternative: nicht alles auf einmal bauen. Ein erstes, kleines Becken genügt. Wenn es funktioniert, finanziert der Verkauf der geernteten Mineralien den nächsten Schritt. Lithium, Magnesium, Kalium – all das ist im Meerwasser gelöst und landet in den Becken. Kontrolliert geerntet, kann es das Projekt tragen.
Zusammenfassung
Seit über 100 Jahren sucht man nach einer Lösung für die Qattara-Senke. Es gibt Kanalpläne, Tunnelberechnungen, sogar Überlegungen zu Atomsprengungen. Was fehlt, ist ein Konzept für das Salz. Die beschriebene Zickzack-Rutsche mit mehrstufigen Becken und kontrollierter Ernte ist kein teurerer Sonderweg – sie ist die einzige Lösung, die den physikalischen Gegebenheiten wirklich gerecht wird.


