Das zweite System ist etwas ganz anderes. Es geht um das Auge – und darum, verlorene oder eingeschränkte Sehfähigkeit zu ersetzen.
Die Idee: Zwei flexible Linsen werden am Rand miteinander verschweißt, so dass ein flacher Hohlraum entsteht. Dieser Hohlraum wird mit Glycerin gefüllt – einer Flüssigkeit, die einen ähnlichen Brechungsindex hat wie das menschliche Auge. Das Ganze ist weich, flexibel und fühlt sich natürlich an.
Was kann man damit machen?
Erstens: eine Kontaktlinse, die mehr kann als heute. Die Flüssigkeit zwischen den Linsen kann sich leicht verschieben, wenn man die Linse zusammendrückt. Dadurch ändert sich der Linsenradius – und damit die Brechkraft. Das wäre eine Linse mit einstellbarer Schärfe, ohne bewegliche Teile.
Zweitens: ein Implantat für kranke Augen. Bei bestimmten Augenkrankheiten ist die natürliche Linse nicht mehr funktionsfähig. Man könnte sie entfernen und durch diese flexible Linse ersetzen. Weil sie aus einem weichen Material besteht und mit einer körperverträglichen Flüssigkeit gefüllt ist, passt sie sich dem Auge an. Und weil der Brechungsindex ähnlich ist, entstehen keine störenden Reflexe.
Drittens: ein Zoom-Effekt. Wenn man die Linse nicht nur als Ganzes verformt, sondern gezielt Druck auf bestimmte Bereiche ausübt, kann man den Lichteinfallswinkel verändern – ähnlich wie beim natürlichen Auge. Das wäre keine starre Korrektur mehr, sondern eine aktive Anpassung an verschiedene Entfernungen.
Wo steht die Idee?
Es ist eine Grundidee. Die Materialien sind bekannt, Glycerin ist gut erforscht, flexible Linsen gibt es bereits. Die Herausforderung ist die präzise Fertigung und die Steuerung der Verformung. Aber das Prinzip ist einfach: Zwei Linsen, ein Hohlraum, eine Flüssigkeit – und schon hat man eine Linse, die sich dem Auge anpasst, statt dass sich das Auge der Linse anpassen muss.
Flexible Linse mit Glycerin-Füllung


